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Landesdelegiertenkonferenz
18.-20.11.2005
Als erstes Treffen der Mitglieder des Landesschülerrats Brandenburg in der neuen Wahlperiode war es wenig erstaunlich, dass besonders viele neue Gesichter in die Runde blickten. Während man sich anfangs eingehend der „Beschnupperung“ der Mitglieder und der Vorstellung der Arbeit im Landesschülerrat widmete, folgten am Samstag angeregte Diskussionen zu schulpolitischen Fragen und Problemen.
Zunächst jedoch erfuhren wir von Marco George, Mitglied des vorherigen Landesschülerrats und Vorstandes, welche die Aufgaben der LDK sind und in wie weit sie bildungspolitischen Einfluss genießt.
Es folgte ein Rechenschaftsbericht des Vorstandes in Form einer Powerpoint-Präsentation. Hier wurden insbesondere die Arbeit im Vorstand des Landesschülerrats und im Landesschulbeirat sowie die Funktion der Bundesschülerkonferenz dargestellt.
Am Samstag fand sich schließlich Zeit, um allgemeine Anliegen der LDK-Mitglieder zu besprechen.
Ein vielgenanntes Problem ergab sich aus dem in diesem Schuljahr generell eingeführten Rauchverbot an Schulen. In den meisten Kreisen treten in der Umsetzung dieses Gesetzes verschiedenste Probleme auf, deren Behebung jedoch auch Angelegenheit der jeweiligen Schulen ist, da keine Pauschallösung gefunden werden kann.
Weiteres Thema der allgemeinen Diskussion war die erneut anstehende Lehrerversetzung. Einige Lehrer seien durch permanente Arbeitsplatzwechsel und zu lange Anreisewege überfordert. Beschwerden zu diesen Problemen müssen allerdings in den Kreisräten erfolgen.
Ebenfalls heiß diskutierte Themen waren grobe Rahmenlehrplanverletzungen und immenser Unterrichtsausfall, wie an manchen Schulen inzwischen der Fall. Mitunter fehlen angehenden Abiturienten Wochen und Monate in ihrer Vorbereitung, weil für einen ausgefallenen Lehrer nicht rechtzeitig passender Ersatz gefunden wird. Komplett von den Schülern selbst erarbeitete Themen müssen in Klausuren und Prüfungen wiedergegeben werden, was von erheblichem Nachteil ist. Es entstehen Defizite im Bildungsstand der Schüler, die nicht konsequent behandelt werden. Der Landesschülerrat beschloss in diesem Zusammenhang, eine Beschwerdeschrift anzufertigen, die konkrete Problemfälle enthält, die von den Kreisräten festgestellt wurden. Neben der öffentlichen Positionierung ist ein Brief an das Ministerium in Arbeit.
Auch das Problem der Kopfnoten kam erneut auf. Schlussendlich schloss sich der Landesschülerrat dem Votum des bisherigen Vorstandes an, das sich gegen Kopfnoten wendet. Nach Beratung mit Wissenschaftlern und Sachverständigen wurden Kopfnoten als nicht sinnvoll analysiert, in Frage käme lediglich eine individuelle Einschätzung in Worten.
Zentraler Gegenstand der Debatte war der Entwurf der Verwaltungsvorschrift zur Leistungsbewertung (VV-Leistungsbewertung). Ein erster Änderungsvorschlag des Landeschülerrats ist die Festlegung, dass mindestens 4 Noten vergeben worden sein müssen, ehe eine Zeugnisnote entstehen kann. Im vorliegenden Entwurf (§5 Abs. 3) war keine Anzahl vorgegeben. Berücksichtigt werden sollen schriftliches Arbeiten einschließlich schriftlicher Lernerfolgskontrollen, die Mitarbeit im Unterricht sowie Hausaufgaben.
Hinterfragt wurde auch die Leistungsbewertung im Fach Sport (§2 Abs. 5). Hier kommt es oft zu Ungerechtigkeiten, da nicht jeder Schüler die gleichen physischen Voraussetzungen zur Erfüllung der vorgegebenen Maßstäbe hat. Auch würden Schüler, die z.B. ein Schuljahr wiederholen, nicht anhand des „jeweiligen Entwicklungsstandes“ bewertet, wie in der VV-Leistungsbewertung angedacht. Als Vorschlag für das Ministerium angenommen wurde die Vergabe der 4 als Mindestnote bei erbrachter Leistung; grundsätzlich sollen Wille, Ehrgeiz und Versuch bewertet werden.
Außerdem sollen pro Schulhalbjahr 2 Sozialnoten im Fach Sport erteilt werden.
Die VV-Leistungsbewertung äußert sich auch zum Thema Notenvergabe; in Abhängigkeit der schulischen Gremien können für Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 4 schriftliche Informationen zur Lernentwicklung anstatt von Zeugnissen erteilt werden. Nach eingehender Diskussion über Sinn und Unsinn von Zensuren im jungen Alter, beschloss der Landesschülerrat, als Vorschlag einzubringen, dass spätestens ab der 3. Klasse Noten erteilt werden sollten.
Neben der Diskussion im Plenum konnte auch die diesjährige LDK einige Gäste begrüßen. So stellte Christian Ernst vom Verein Zeitpfeil dessen Arbeit vor.
Das Projekt ist Träger und Studienwerk für politische Bildung und bietet in diesem Rahmen zahlreiche Seminare, Projekte und Studienreisen an, um zivilgesellschaftliches und politisches Handeln von Jugendlichen zu fördern. Dazu gehören ins besondere Seminare mit Schülervertretungen in Berlin und Brandenburg zur Zielorientierten Projektplanung (ZOPP). Ein solches Seminar ist auch für den Landesschülerrat geplant. Inhalte sind unter anderem Problem- und Zielanalyse, das Erstellen eines Aktionsplans sowie eine Ergebnisanalyse. Mit Hilfe moderner Medien und innovativer Methoden werden auch Rhetorik- und Präsentationsfähigkeit, Teamentwicklung sowie Kommunikation und Moderation gefördert.
Um mehr über das Projekt Schülerfeedback zu erfahren, hatte der Landesschülerrat Ariane v.d. Mehden eingeladen, die aus erster Hand davon berichten konnte.
Schülerfeedback – was ist das überhaupt? Es handelt sich hierbei um eine Möglichkeit der Schüler (z.T. auch Eltern), die Unterrichtsqualitäten ihrer Lehrer einzuschätzen. Dies soll der Verbesserung der Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern dienen. Die Mitwirkung soll gestärkt werden, indem die Schüler ein Gefühl dafür entwickeln, dass sie wahrgenommen werden. Momentan wird an 8 Schulen im Land Brandenburg das Feedback durchgeführt. Hierzu geben die Schüler nach einer Einführungsveranstaltung am PC ihre Einschätzungen völlig anonym ab. Dem Lehrer steht die Teilnahme am Projekt und auch, wie er mit den Ergebnissen umgeht, völlig frei. Ariane v.d. Mehden, die Referendarin an einer Schule in Potsdam ist, die aktuell das Schülerfeedback durchführt, bestätigt, dass viele Lehrer zwar zunächst distanziert reagieren, die bisherigen Ergebnisse der Befragung aber durchweg positiv sind. In die Auswertung der Fragebögen – die eine beteiligte Computerfirma durchführt – werden unseriöse Bewertungen, die aus subjektiven Gründen den Lehrer denunzieren sollen, nicht mit einbezogen.
Im Vergleich zur Schulvisitation sollen schülernahe Ergebnisse erzielt werden.
Ein weiterer Gast der LDK war Alfred Roos von der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule e.V. (RAA). Die RAA bietet Schülern bzw. Schulen Fortbildungsseminare und andere Projekte politisch-historischen Hintergrundes an, zum Beispiel Begegnungen mit Zeitzeugen. Hinzu kommen Hilfestellungen bei Schulpartnerschaften und internationalen Begegnungen mit dem Schwerpunkt Tschechien, Polen und Israel.
Ein aktuelles Projekt der RAA ist „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Es setzt sich für ein soziales und friedliches Miteinander von Schülern ein, ohne Diskriminierung und Rassismus.
Nach Diskussionsveranstaltungen, Projekttagen und Ähnlichem sollen sich 70% aller Zugehörigen einer Schule (SchülerInnen, LehrerInnen und andere Schulbedienstete) zu den Grundsätzen von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bekennen. Jeder, der unterschreibt, verpflichtet sich, sich langfristig mit Aktionen und Projekten an der Schule gegen Gewalt, Diskriminierung und Rassismus zu engagieren. Gleichzeitig übernimmt eine prominente Person oder eine Firma die Patenschaft. Nach Einreichung der Unterschriften wird der Schule der Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ verliehen. Der Verein Aktion Courage initiiert das 1988 von SchülerInnen und JugendarbeiterInnen in Belgien entwickelte Projekt seit 1995 in Deutschland. In Brandenburg gibt es derzeit fünf solcher Schulen.
Natürlich ergaben sich aus dem Termin der LDK – die erste im Wahlschuljahr 2005/06 – auch zahlreiche Posten, die es zu besetzen galt. Gewählt wurden die Abgesandten der Bundesschülerkonferenz, die Mitglieder des Landesschulbeirats und des Vorstandes. Sprecher wurde Marco George aus dem Kreis Elbe-Elster, der bereits aus den Vorjahren mit der Arbeit im Vorstand vertraut ist.
